Eine andere Welt ist pflanzbar - Teil 5

 

 

Der neuste Film von Ella von der Haide ist eine Reise zu sieben urbanen Gemeinschaftsgärten in Deutschland und ist richtig klasse!
Über 500 Gemeinschaftsgärten sind in den letzten Jahren in Deutschland entstanden, Tendenz steigend. Die einzelnen Gartenprojekte sind so unterschiedlich wie ihre Gärtner*innen und die Städte, in denen sie sich befinden.
Folgende Gärten werden vorgestellt:

Annalinde (Leipzig)
Keimzelle und Hof vorm Deich (Hamburg)
Interkultureller Frauengarten (Oberhausen)
Experimentier- und Wabengarten des Ökologischen Bildungszentrums (München)
Interkultureller Garten (Aalen).

Annalinde Leipzig (Ella von der Haide).jpg

Annalinde Leipzig

Bohne im Wabengarten München (Sanne Kurz).jpg

Wabengarten München

Gemeinsames Essen in der Keimzelle Hamburg (Ella von der Haide).jpg

Gemeinsames Essen in der Keimzelle Hamburg

Keimzelle Hamburg Klas Rühling (Sanne Kurz).jpg

Filmemacherin Ella von der Haide

Musik im Garten in Aalen (Sanne Kurz).jpg

Keimzelle Hamburg

Hof vorm Deich Hamburg (Sanne Kurz).jpg

Musik im Garten in Aalen

Vera vom Hof vorm Deich (Sanne Kurz).jpg

Hof vorm Deich Hamburg

Gemeinschaftsgärten werden dabei von staatlicher wie auch von Basisseite betrieben und als Instrument eingesetzt. Michelle Obama hat durch ihren Garten vor dem Weißen Haus ein Zeichen für die Anerkennung der ökologischen, kleinteiligen urbanen Gartenbaus in der Gesundheits- und Bildungspolitik sowie der Stadtplanung gesetzt. Gleichzeitig sind Gemeinschaftsgärten Symbol und Praxis des antirassistischen Widerstands von Schwarzen Gruppen wie z.B. dem „Detroit Balck food Security Network“ und „Growing Power“.

Nicht nur im schrumpfenden und durch Segregation geprägten Detroit werden dabei Brachen durch die Gemeinschaftsgärten zu öffentlichen Räumen, die von Schwarzen für Aufklärung, Selbstversorgung, Autonomie und Vernetzung genutzt werden.

Schwarze Gätrner_innen und Aktivist_innen erzählen in den Interviews davon, dass für sie durch diesen neuen Zugang zur Gartenarbeit ein post-kolonialer, gesellschaftlicher „Heilungsprozess“ angestoßen wird, der landwirtschaftliche Arbeit im Zusammenhang mit dem Trauma der Sklaverei und auch Traditionen aus Afrika reflektiert und neu erfahrbar macht.

Indigene Gruppen arbeiten ebenfalls in und mit Gärten, um die Verbindung zur eigen Geschichte und Tradition weiterzutragen und ihren Anspruch auf selbstbestimmte Landnutzung aufrechtzuerhalten.
Ganz andere gesellschaftliche Umdeutungsprozess werden durch die vielen Queer- und LGBTI-Gärtner_innen in der urbanen Landwirtschaftsbewegung in Gang gesetzt. Ihr u. a. durch die „Rainbow Chard Alliance“ in San Francisco öffentlich artikuliertes Engagement in den Gemeinschaftsgärten erzeugt nicht nur neue Rollenbilder und eine größere Vielfalt, Sicherheit und Offenheit innerhalb der Szene, sondern rüttelt gleichzeitig durch ein queer-feministisches Weiterdenken an dem bipolaren Natur-Kulturverhältnis und kreiert ein alternatives Naturverständnis.

Die Betrachter*innen lernen die Projekte in ihrer städtischen Umgebung kennen und begleiten sie über ein Jahr hinweg durch die vier Jahreszeiten: vom Säen über das Ernten bis zur Winterarbeit. Der größte Gemeinschaftsgarten umfasst zwei Hektar und der kleinste gerade einmal 150 Quadratmeter.

In den Gärten treffen sich Menschen aus verschiedenen Generationen und aus den unterschiedlichsten Milieus – vom Kindergartenkind bis zur Rentnerin, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Sie gärtnern, um sich selbst zu versorgen und um Wissen weiterzugeben. Für einige ist es eine Form des politischen Protests oder ein Beitrag zur Stadtgestaltung, für andere ist es die Therapie, die sie am Leben hält, wieder andere verdienen hier ihren Lebensunterhalt.

Geflüchtete erzählen selber, warum Interkulturelle Gärten für sie auf so vielfältige Weise wichtige Orte des Ankommens in ihrem neuen Leben sind.

In den Gemeinschaftsgärten werden viele Themen konkret umgesetzt: der Erhalt traditioneller Nutzpflanzen und die Weitergabe alter Handwerkstechniken, Ernährungssouveränität, partizipative Stadtgestaltung, therapeutische Heilung durch das Gärtnern, Gestaltung von Allmenden oder Commons, Recht auf Stadt, Inklusion von Migrant*innen, Unterstützung von geflüchteten Menschen, Erproben neuer alternativer und kollektiver Ökonomien und noch vieles mehr.

Die Gemeinschaftsgärten sind Ausdruck gesellschaftlicher Transformation und Orte der Visionen, in denen eine sozial gerechte, basisdemokratische, inklusive und ökologische Gesellschaft experimentell erprobt wird.

Dieser Film inspiriert ebenso wie die Gärten selbst!


Eine Produktion von Ella von der Haide, 2016

Co-Produktion: Stiftungsgemeinschaft Anstiftung & Ertomis
Kamera: Sanne Kurz