Good Food, Bad Food

Anleitung für eine bessere Landwirtschaft

               

 

  • "GOOD  FODD, BAD FOOD"
  • DVD
  • wahlweise in deutscher oder französischer Sprache
  • PAL, 113 min

     
  • Bei diesem Film können wir im Verkauf leider nicht mehr mit den Großhändlern konkurrieren. Wir mussten ihn aus dem Verkauf nehmen.
  Trailer zum Film!

Die vielfach ausgezeichnete und bekannte französische Filmemacherin Coline Serreau (von ihr stammt z.B. der wunderbare Film "Pilgern auf Französisch“), die ihre Karriere mit kämpferischen Dokumentarfilmen begann, kehrt zu ihren filmischen Wurzeln zurück. Für ihren neuen Film bereiste sie die Welt auf der Suche nach Menschen, die den Erdboden, und damit die ganze Natur, respektvoll behandeln. In eindrucksvollen Bildern schildert sie konkrete Ansätze zur Verbesserung der katastrophalen Situation, in die die Landwirtschaft weltweit gedrängt worden ist.

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Alte Tomatensorten werden wieder verbreitet AMAP in Frankreich - am Verteil-Tag Freier Bauer in Indien
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Gesunde Erde Maisvielfalt in Südamerika Reisanbau ohne Pestizide

Zitate aus dem Film:

Jede Minute gibt in Europa ein Bauer seinen Beruf auf.

Jede Stunde nehmen sich zwei indische Bauern das Leben.

Wir haben alle Gründe zunichte gemacht, warum 80 Millionen Afrikaner in Afrika bleiben sollten.

50 Gramm (Herbizid) pro Hektar bringt alles im Boden um.

Bei dem, was heute auf den Tisch kommt, sollte es nicht „Guten Appetit“ heißen, sondern „Viel Glück!“

Dieser spannede Kino-Dokumentarfilm spricht frei heraus aus, was wir schon lange ahnen: unsere Nahrungssicherheit ist ein sehr labiles Konstrukt – wenn von heute auf morgen alle Supermärkte der Welt schließen würden, hätten wir innerhalb kürzester Zeit nichts zu Essen.

In vielen Interviews mit Landwirten aus der ganzen Welt zeigt sich, dass die Probleme der Landwirtschaft auf allen Kontinenten dieselben sind. Die so genannte „Grünen Revolution“, in der die Industrie den Bauern einredete, immer größere Maschinen und immer mehr chemische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger zu brauchen, um immer höhere Erträge zu produzieren. Statt dessen entstand eine hochgradig von Subventionen und dem endlichen Rohstoff Erdöl abhängige Landwirtschaft, in der immer größere Probleme für Mensch, Tier und Natur auftreten. Ausgelaugte Böden, Absterben von Kleinstlebewesen, Verschmutzung von Grundwasser, Sterben der Artenvielfalt, ökonomische Abhängigkeit der Landwirte, Konzentration auf wenige Multinationals, die die Lebensmittelproduktion kontrollieren.

Das Schöne an dem Film ist: er konzentriert sich nicht auf die Probleme, sondern auf Lösungen. Denn er zeigt, wie ebenso weltweit immer mehr Menschen dieser Entwicklung entgegenwirken. Boykottieren, sich wehren, unabhängig werden.

Landwirte in Indien, Frankreich, der Ukraine, Brasilien - sie alle zeigen uns stolz, wie sie sich der industriellen Landwirtschaft widersetzen und mit organischem Landbau gesunde, gute Erträge erzielen.

Zwei sehr sympathische und nicht auf den Mund gefallene Mikrobiologen aus Frankreich zeigen uns, wie ein gesunder Boden aussieht im Vergleich zum üblichen, von industrieller Landwirtschaft gepflügten und ausgelaugten Boden.

Zum Nachdenken regt die Forderung im Film an: jeder Mensch hat nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, etwas zur lokalen Ernährungssicherung beizutragen. Ein Boykott von genmanipulierten oder mit Chemikalien hergestellten, tausende von Kilometern gereisten Lebensmitteln ist nur eine Möglichkeit, Macht auszuüben. Die Suche nach einer regionalen Lebensmittelquelle, womöglich gar einer Selbstversorgergemeinschaft nach dem CSA-Prinzip (in Frankreich gibt es bereits tausende dieser „Amap´s“ – besser geht´s nicht. Und vielleicht werden wir eines Tages alle zu Teilzeitbauern?

Am Ende bleibt die Hoffnung – „Keep your hope alive“ singt Madeleine Besson zum Ende des Films, und der Zuschauer hat einige hoffnungsvolle Alternativen gesehen von Menschen, die ihr Glück selbst in die Hand nehmen. Es soll ein Anti-depressiver Film sein, sagt die Regisseurin in einem Bonus-Interview auf der DVD, und ich finde, es ist ihr gelungen.

Heidi Snel
ÖKOFILM

Interview mit der Regisseurin

INTERVIEW MIT DER REGISSEURIN COLINE SERREAU
In "Good Food Bad Food" geht es um die Umwelt, ein Thema, das Sie bereits in "Der grüne Planet – Besuch aus dem All (La Belle Verte)" behandelt haben. Wie wurde die Idee zu diesem Film geboren?

Schon in "Der grüne Planet", den ich im Jahr 1996 gedreht habe, ging es um Ökologie und um ein radikales Umdenken. Der Film war seiner Zeit weit voraus und hat erst ein gutes Weilchen nach dem Kinostart sein Publikum gefunden. Soeben ist eine neue DVD-Edition von ihm erschienen, und so kann man sagen, dass er sich derzeit eines wundersamen zweiten Lebens erfreut.

Vor drei Jahren habe ich zu meinem eigenen Spaß damit begonnen, Reportagen über verschiedene Themen zu drehen. In einer davon ging es um ein Gespräch mit Pierre Rabhi, den ich schon seit mehreren Jahren kannte. Nach meiner Rückkehr aus Marokko, wo ich einige seiner Projekte mit der Kamera begleitet hatte, sagte ich mir dann, dass man diese Arbeit eigentlich weiterführen und vertiefen müsste, indem man weltweit die Akteure des Wandels aufsucht. Also hab ich mich auf den Weg gemacht, bin nach Indien, nach Brasilien, in die Ukraine und in die Schweiz gereist, um dort die Leute zu interviewen, die glaubhafte Alternativen zu unserem System auf die Beine stellen. Mein Anliegen war es dabei, nicht nur Theoretiker und die Wortführer verschiedener Bewegungen zu Wort kommen zu lassen, sondern mindestens in gleichem Maße auch die Bauern und die kleinen Leute, die die wahren Akteure und Wegbereiter des Wandels sind.


Ich wollte keinen Film drehen, der nur mit dem Zeigefinger auf die Schuldigen deutet und die Leute deprimiert. Zunächst einmal ging es darum, gewisse Dinge, über die wir uns bereitwillig hinwegtäuschen lassen, beim Namen zu nennen. Die Wahrheit ist schließlich, dass eine kleine Minderheit von Menschen immer mehr Reichtum auf sich vereint, während die Mehrheit unausweichlich der Verarmung preisgegeben ist. Dabei sind die ökologischen Probleme nur
die Folge eines Gesellschaftsmodells, das die Ausbeutung, die Plünderung und den Profit höher bewertet als die wahren Kräfte des Lebens.
Sobald sich die Leute mit dieser traurigen Realität und allem daraus resultierenden Unheil konfrontiert sehen, werden sie es mit ihrem Gewissen ausmachen, das zu tun, was ihnen richtig erscheint und was für sie gut ist. Ich habe ihnen da keine Ratschläge zu erteilen. Ich will mit diesem Film nur zeigen, dass es auf der ganzen Welt Leute gibt, die, ohne einander zu kennen, das gleiche tun, dieselbe Lebensphilosophie teilen und der Erde, die uns alle ernährt, mit demselben Respekt begegnen. Das wahre Anliegen des Films bestand also darin, den universellen Charakter der verschiedenen Lösungen genauso wie ihre verblüffende Einfachheit hervorzuheben.


Welches sind die wichtigsten Themen, die im Film angesprochen werden?
Als erstes analysieren wir die Ursprünge dieser Art von Landwirtschaft, die ihre Entstehung dem Übermaß vorrätiger Waffen in der Nachkriegszeit verdankt. Wir haben es also mit einer Landwirtschaft zu tun, die einem Angriffskrieg gegen die Erde gleichkommt. Danach wird aufgezeigt, wie ein wahrhafter Genozid an den Bauern verübt wurde. Es wird dargelegt, wie man aus einer Logik heraus, die allein dem Profitstreben der petrochemischen Industrie gehorchte – verschlimmert noch durch den Diebstahl öffentlicher Gelder zum Nutzen einiger weniger –, all das beseitigt hat, womit uns die Erde und die Tiere bis dahin umsonst beschenkt haben, um es durch nicht  reproduzierfähiges Saatgut, ein Übermaß an Chemikalien und die Auslöschung der Artenvielfalt zu ersetzen.
Der eigentliche Wert der Biodiversität bestand darin, dass sie jedem Bauer die Möglichkeit bot, diejenigen Saaten zu bewahren und zu selektionieren, die am besten für die von ihm bewirtschafteten Ländereien geeignet waren, was ihm eine gewisse Freiheit und Autonomie verschaffte. Dann aber ist die Industrie mit ihrer geballten Macht dahergekommen, um für "Ordnung" in diesem anarchischen Zustand zu sorgen, indem sie das lokale Saatgut konfiszierte und verbot. Stattdessen zwang sie nicht reproduzierfähiges Saatgut auf, das nur mithilfe von Düngern und Pestiziden gedeiht, die ihrerseits durch Patente geschützt sind, welche von der Bevölkerung finanziert werden – eine wahre Goldquelle für die großen Saatguthersteller und die petrochemische Industrie!
Dieser ganze Vorgang führt zum Tod der Erde, die sich in eine Wüste verwandelt, wenn auch vorerst nur in eine virtuelle Wüste, weil wir ja noch ein wenig Erdöl übrig haben. Ohne das Erdöl wären unsere Böden aber steril, tot und könnten nichts mehr hervorbringen. Folglich ist es von größter Dringlichkeit, dieser todbringenden Agrarproduktion, die nur einigen Wenigen
Profit beschert und die Sicherheit unserer Nahrungsversorgung gefährdet, ein Ende zu bereiten. Man muss die Böden wieder instandsetzen und zu einer gesunden, nachhaltigen Landwirtschaft zurückfinden, die Millionen von Menschen Arbeit gibt. Und das ist durchaus machbar: Die Bevölkerung müsste es nur fordern, und die Politiker müssten die Gesetze verabschieden, die es ermöglichen.

Ist allein das Patriarchat schuld an der "globalen Schieflage"?
Das Patriarchat ist ein Durchgangsstadium in der Geschichte der Menschheit, das sich durch ein Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen kennzeichnet. Dieses Ungleichgewicht beraubt die Menschheit der Hälfte ihres kreativen Potentials. Es ist die Ursache gewaltsamer und todbringender Entgleisungen unserer Gesellschaftssysteme. Aber letztlich ist es nur eine Kinderkrankheit, die man heilen kann. Und die Emanzipationsbewegungen der Frauen, die seit einigen Jahrhunderten unsere Gesellschaften erschüttern, sind schon einmal ein Anfang, um diesem Übel abzuhelfen.
Kinderkrankheiten können sehr gefährlich sein und das Leben unserer noch jungen Menschheit gefährden – jung deshalb, weil wir bei der Entstehung der Lebewesen die zuletzt Gekommenen sind, und wahrscheinlich auch diejenigen, die am schlechtesten an diese Welt angepasst sind. Die Frage lautet also: Werden wir diese Prüfung bestehen? Wird die Menschheit erwachsen oder bleiben wir für immer krank? Wenn wir aber erwachsen werden, dann steht uns eine schöne Zukunft bevor. Und wenn wir sterben, dann wird das niemanden stören. Für die Tiere, die Pflanzen und die Bakterien, die schon vor uns da waren und jeden Tag härter die Folgen unserer Arroganz zu spüren bekommen, wäre es eher von Vorteil. Eine der großen philosophischen Herausforderungen unserer Zeit besteht darin, zu akzeptieren, dass die Menschheit nichts und niemandem überlegen ist. Dies zu akzeptieren, mag unsere Eitelkeit kränken, etwa in der gleichen Weise, wie es für uns ein schwerer Schlag gewesen ist, hinnehmen zu müssen, dass die Erde rund ist und sich um die Sonne dreht, die ihrerseits auch nur ein ganz gewöhnlicher Stern ist, wie es sie milliardenfach in unserem Universum gibt, einem Universum, dessen wahre Ausmaße wir nicht einmal erahnen können.
Claude Bourguignon berichtet uns, dass sich die Genetiker richtig beleidigt fühlten, als sie feststellten, dass die Gerste doppelt so viele Gene hat wie der Mensch – dabei ist das doch nur eine Pflanze! In ihrer unendlichen Bescheidenheit haben die Genetiker für den Teil des Gerstengenoms, der ihnen nicht in den Kopf wollte, keinen besseren Ausdruck als "Junk-DNA" gefunden! Das ganze Denksystem gehört somit auf den Prüfstand.


Die Menschen nehmen für sich in Anspruch, die höchst entwickelte Rasse zu sein. Sie sollten also intelligent genug sein, um ihre angebliche Überlegenheit in Frage zu stellen. Können Sie uns einige Beispiele für mögliche Lösungen nennen?
Eine der Lösungen besteht in einer "Rückkehr nach vorne": Es geht darum, auf der Basis kleiner lokaler Strukturen zu einer Autonomie in der Nahrungsversorgung zurückzufinden, die ohne Chemikalien auskommt, uns unsere Freiheit zurückgibt und unseren Fortbestand sichert. Vandana Shiva spricht in diesem Zusammenhang von einer Neuerfindung der Demokratie. Bei dieser neuen Demokratie, die es erlaubt, Erde und Teller in Balance zu bringen, geht es aber keineswegs um einen Kampf gegen technische Errungenschaften und moderne Kommunikationsmittel: Es wird beileibe keine Rückkehr ins Höhlenzeitalter angestrebt. Vielmehr geht es darum, das Recht einzufordern, uns selbst zu ernähren; außerdem das Recht auf Gesundheit und die Freiheit autonomer Entscheidungen. Was unser Überleben betrifft, so dürfen wir nicht länger vom Wohlwollen der Geschäftsleute und Politiker abhängig bleiben. Es
geht also nicht um eine Rückkehr in die Vergangenheit, sondern um einen Paradigmenwechsel, um unsere Zukunft sicherzustellen.

Drehbuch, Kamera, Regie COLINE SERREAU
Produktion CINEMAO
MATTHIEU WARTER
GUILLAUME PARENT
In Ko-Produktion mit ENILOC
STUDIO 37
MONTPARNASSE PRODUCTIONS
KINO FACTORY
In Zusammenarbeit mit ORANGE CINEMA SERIES
COLIBRIS / MOUVEMENT
POUR LA TERRE ET L’HUMANISME

Ökologische Beratung CYRIL DION
Musik GARDEN TRIO
MADELEINE BESSON
Stimme MADELEINE BESSON
Schnitt CATHERINE RENAULT
CLAUDE TRINQUESSE
Schnittassistenz AMELIE MASSOUTIER
Ton MATTHIEU DENIAUX
PHILIPPE GRIVEL
Regieassistenz LAURE DE SCITIVAUX

Fotos und Texte mit freundlicher Genehmigung von Alexandra O´Donovan, Alamonde Filmdistribution oHG