Zukunft säen - Vielfalt ernten

Saatgut bleibt Gemeingut

  • "Zukunft säen- Vielfalt ernten"
  • DVD
  • PAL, 34 min
  • Video hier kostenlos online!

Eine Dokumentation des 5. Treffen der Europäischen Saatgut Initiativen in Graz 2010, veranstaltet von ÖBV - Via Campesina Austria, Longo mai, Compagnie MaiMun und Arche Noah
In diesem Kurzfilm über die Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt und
Ernährungssouveränität kommen zahlreiche ExpertInnen zu Wort, die
sowohl die aktuelle Problematik sowie auch Lösungsansätze vorstellen.
Sie setzen sich dafür ein, dass Saatgut Gemeingut bleibt.

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Saatgut-Vielfalt
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Anbau von Saatgut
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Saatgut-AktivistInnen

In der Auseinandersetzung um geistige Eigentumsrechte auf Saatgut ist das Jahr 2010 entscheidend. Die EU will ein europaweit einheitliches Saatgutrecht verabschieden. Werden in Zukunft auf dem Saatgutmarkt ausschließlich industrielle Sorten verfügbar sein, während regionale und bäuerliche Sorten nur noch in Museen und Schaugärten zu finden sind? Alle Anzeichen deuten daraufhin, dass die Saatgutkonzerne die Revision des Saatgutrechts nutzen, um ihre Macht noch auszuweiten. Die verabschiedete EU-Erhaltungssortenrichtlinie für nichtindustrielle Sorten erschwert oder verbietet bereits die Verbreitung der alten Sorten durch geographische und quantitative Beschränkungen.
In den letzten Jahren haben sich in vielen Ländern Europas Saatgutinitiativen zusammengeschlossen und sich unter "Let's liberate diversity!" auch grenzüberschreitend organisiert. Sie verteidigen das bäuerliche Recht, Saatgut aus eigener Ernte auszusäen, zu züchten und weiterzugeben. Die europäischen Saatgutinitiativen aus zehn Ländern haben Gegenvorschläge ausgearbeitet, wollen diese in Graz untereinander abstimmen und den Widerstand europaweit vernetzen.
Das Treffen 2010  fand in Österreich statt, weil eine stärkere Zusammenarbeit mit osteuropäischen Ländern angestrebt ist.

Dieser spannede Kino-Dokumentarfilm spricht frei heraus aus, was wir schon lange ahnen: unsere Nahrungssicherheit ist ein sehr labiles Konstrukt – wenn von heute auf morgen alle Supermärkte der Welt schließen würden, hätten wir innerhalb kürzester Zeit nichts zu Essen.

In vielen Interviews mit Landwirten aus der ganzen Welt zeigt sich, dass die Probleme der Landwirtschaft auf allen Kontinenten dieselben sind. Die so genannte „Grünen Revolution“, in der die Industrie den Bauern einredete, immer größere Maschinen und immer mehr chemische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger zu brauchen, um immer höhere Erträge zu produzieren. Statt dessen entstand eine hochgradig von Subventionen und dem endlichen Rohstoff Erdöl abhängige Landwirtschaft, in der immer größere Probleme für Mensch, Tier und Natur auftreten. Ausgelaugte Böden, Absterben von Kleinstlebewesen, Verschmutzung von Grundwasser, Sterben der Artenvielfalt, ökonomische Abhängigkeit der Landwirte, Konzentration auf wenige Multinationals, die die Lebensmittelproduktion kontrollieren.

Das Schöne an dem Film ist: er konzentriert sich nicht auf die Probleme, sondern auf Lösungen. Denn er zeigt, wie ebenso weltweit immer mehr Menschen dieser Entwicklung entgegenwirken. Boykottieren, sich wehren, unabhängig werden.

Landwirte in Indien, Frankreich, der Ukraine, Brasilien - sie alle zeigen uns stolz, wie sie sich der industriellen Landwirtschaft widersetzen und mit organischem Landbau gesunde, gute Erträge erzielen.

Zwei sehr sympathische und nicht auf den Mund gefallene Mikrobiologen aus Frankreich zeigen uns, wie ein gesunder Boden aussieht im Vergleich zum üblichen, von industrieller Landwirtschaft gepflügten und ausgelaugten Boden.

Zum Nachdenken regt die Forderung im Film an: jeder Mensch hat nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, etwas zur lokalen Ernährungssicherung beizutragen. Ein Boykott von genmanipulierten oder mit Chemikalien hergestellten, tausende von Kilometern gereisten Lebensmitteln ist nur eine Möglichkeit, Macht auszuüben. Die Suche nach einer regionalen Lebensmittelquelle, womöglich gar einer Selbstversorgergemeinschaft nach dem CSA-Prinzip (in Frankreich gibt es bereits tausende dieser „Amap´s“ – besser geht´s nicht. Und vielleicht werden wir eines Tages alle zu Teilzeitbauern?

Am Ende bleibt die Hoffnung – „Keep your hope alive“ singt Madeleine Besson zum Ende des Films, und der Zuschauer hat einige hoffnungsvolle Alternativen gesehen von Menschen, die ihr Glück selbst in die Hand nehmen. Es soll ein Anti-depressiver Film sein, sagt die Regisseurin in einem Bonus-Interview auf der DVD, und ich finde, es ist ihr gelungen.

Heidi Snel
ÖKOFILM

Regie, Kamera, Schnitt: Ella von der Haide
Musik: Masala Brassband
Produktion: Ella von der Haide, 2010